Lyrik

Bilderbuch

Ein Buch mit Bildern, das das Leben schreibt.
Bunt, grell, fröhlich, ernst, finster und hell.
Es liegt an mir, welche Seite ich aufschlage und welchem Bild ich meine Aufmerksamkeit schenke.


Tanz auf dem Vulkan

Als ich vor fast 40 Jahren zu malen begann, erlebte ich in mir einen feurigen Vulkan, eine Leidenschaft, fast eine Explosion – gleich einem Tanz auf dem Vulkan.

Die Malerei, die Farben, der Farbenrausch und schöpferisch tätig sein, das ließ mich nicht mehr los.

Es brannte etwas in mir, und etwas in mir wollte nach draußen. Deswegen wurde ich Malerin.

Viele Erfolge stellten sich ein – und das Feuer brodelte lustig weiter dahin.
Mal verzehrend, dann wieder wohltuend.

Was ist es heute?

Aus dem lodernden Feuer ist eine wärmende Glut geworden, und sie lässt mich vieles Schönes erleben.

Die Zeit der Ernte ist gekommen.
Die Farben des Lebens sind nun Herbstfarben geworden.
Warme, schöne und leuchtende Farben!

Das kleine Feuer in mir ist noch immer da, wird es noch einmal entfacht werden?
Wird noch einmal ein Funke überspringen und das Feuer zum Lodern bringen?
Erlebe ich noch einmal den Farbenrausch, die Faszination, den Tanz auf dem Vulkan?

Ich denke, jede Zeit hat ihre Qualität und so darf ich nun ernten, die warme Glut in mir genießen,
malen, tanzen, schreiben, lehren und dankbar sein.

Dem Tanz auf dem Vulkan ist die Zeit der Ernte gewichen.
Und das ist gut so.


Ich bewundere Sie wie einen Stein

Was bin ich?
Ein Stein zum Anfassen,
zum in der Hand halten, um Kraft zu spenden,
ein Feuerstein,
ein jahrtausendealter Granitblock, der vom Fluss tänzerisch umspült wird,
ein Fels in der Brandung,
ein Kieselstein – vom Wasser geformt und abgeschliffen,
ein Edelstein, der Kronen und Häupter von Königen und Kaisern ziert,
ein Brillant voller Licht und Glanz an den Fingern der Mächtigen und Reichen
oder ein Stein auf der Straße, der aufgehoben werden will, poliert und zur Geltung gebracht
werden möchte?
Ganz gleich: Jeder Stein hat seine Berechtigung und Aufgabe, und jeder Stein/jeder Mensch braucht
Bewunderung.


Vom Bären

Er schmierte ihr Honig ums Maul.
Eine Zeitlang war es ganz angenehm, so umsorgt zu sein und die Süße des Lebens zu genießen
und auszukosten. Fein war das!

Doch das kostete seinen Tribut.
Einschränkung, Anpassung, Nachgeben und sich selbst verleugnen standen an der Tagesordnung – ansonsten gab es nicht die tägliche Honigration.

Da entschloss sie sich, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, alleine in den Wald zu gehen,
einen Bienenstock auszurauben, wenn auch manchmal ohne Erfolg, und deswegen hungrig schlafen gehen zu müssen.

Doch es lohnte sich.
Sie wurde erwachsen, glücklich und frei.


Sommerreise

Wir waren malend in Griechenland unterwegs.
Auf Samos fanden wir inmitten der unberührten Natur beim Meer unsere Unterkunft.

Jeden Tag suchten wir aufs Neue unsere Malmotive. Durch einen Olivenhain mit jahrhundertalten Bäumen zwischen rosa Zistrosen, duftendem Tausendgüldenkraut und blühenden wilden Sträuchern, die durch das Berühren mit unseren Beinen ihre Kapseln öffneten und betörenden Duft verströmten, machten wir unsere Entdeckungsmalreise.
Wir waren von diesen mediterranen Düften wie verzaubert und benommen – in einer anderen Welt.
Täglich kamen wir wieder. Die duftenden Blumen, die alten Olivenbäume, mannshoher Salbei, wilder Thymian und Oregano und auch die Schlangenwurz, eine fleischfressende riesige Pflanze, die nur eine Woche blüht, regten unsere Kreativität an und ließen uns den Alltag vergessen.

Überall Motive, wohin das Auge blickte. Wunderbare Bilder entstanden.

Es war ein mystischer Ort – und wir nannten ihn den heiligen Platz.

So nahe am Himmel habe ich die Natur in ihrer Vollkommenheit noch nicht erlebt.
Man konnte meinen, den Flügelschlag der Engel zu spüren.

Ein unvergesslicher Sommer in Griechenland. Einfach himmlisch!


Brot, das nach Kindheit duftet

Ich weiß nicht, wie meine Kindheit duftet. Wenn ich mir noch das Brot dazu vorstellen soll,
dann weiß ich nur, dass ich während meiner ganzen Schulzeit viele Jahre jeden Tag
ein Margarinebrot zur Jause mitbekommen habe.
THEA – nicht Rama – die war billiger. Butter haben wir nie gegessen.
Manchmal gab es zu Hause auch noch frische Marmelade dazu, die Mama mit Früchten, die
sie geschenkt bekommen hat, zubereitete. Das war Genuss und Freude!
Semmel, Salzstangerl, Kornspitz – unvorstellbar für uns.
Mama musste uns drei Kinder mit sehr wenig Geld ernähren.
Mein Vater verbrachte wegen seiner schweren Kriegsverletzungen mehrere Jahre im Krankenhaus.
Krankengeld und soziale Absicherung gab es damals nicht. Wir waren arm, sehr arm.

Karges Brot könnte man mit meiner Kindheit gleichsetzen.
Der Geruch? Das weiß ich nicht mehr.
Brot diente zum Hungerstillen, jedes Körnchen wurde sorgfältig aufgehoben und gegessen.
Frisches Brot war herrlich – auch ohne Wurst, Käse, Aufstrich, Lachs, Schinken – höchstens mit
THEA bestrichen.
Denke ich an meine Kinder: Wie gut ist es denen gegangen, und in welchem Überfluss
wachsen meine Enkelkinder auf.
Wir hatten Brot – einfach nur Brot – und wurden damit satt.
Das war das Wichtigste!

Manchmal schenkte mir meine Schulfreundin ihre zweite Wurstsemmel, und wie glücklich war
ich, einmal kein THEA-Brot essen zu müssen.
Glück kann so klein sein. Das karge Brot meiner Kindheit prägte mich.

Brot gehört zum Leben – Brot ist Leben!
„Unser tägliches Brot gib uns heute“, heißt es. Wie not-wendig!


Holzweg

Der Weg ist das Ziel.
Oder doch nicht?

Viele Barrikaden versperren den Weg.
Hürden machen sich breit. Ist das der richtige Weg?
Bin ich auf dem Holzweg?

Macht nichts!
Mit jedem Schritt werde ich sicherer, selbstbewusster, stärker.

Aus Erfahrung wird man klug!
Alle Wege führen nach Rom!

Sprüche, die die Wahrheit kennen.
Stimmen sie?

Umwege, Holzwege, verschüttete Wege, versperrte Wege lassen mich zweifeln.
Doch durch das Weitergehen überwinde ich alle Hindernisse, die mir auf dem Weg begegnen.

Nun weiß ich es.
Es stimmt. Also doch …
Der Holzweg ist das Ziel!


Bachbett

Ich sitze beim Bachbett am Kamp.
Das rostbraune, eisenhaltige Wasser purzelt zwischen den riesigen Granitblöcken
und verschiedenen Wasserläufen an mir vorbei.
Purzelkamp, Großer Kamp, Kleiner Kamp, Stiller Kamp, Ritterkamp…
Viele Namen haben die Kampflüsse bis sie sich zu einem großen Fluss vereinen.

Das Wasser erzählt mir seine Geschichte.
Es erzählt vom Meer, von Erdbewegungen, Naturkatastrophen, dem Werden des Flusses
und von den Menschen, die in dieser unberührten Natur leben.

Ich spüre die Kraft des Wassers.
Geborgenheit, Zuversicht, Vertrauen, Liebe zur Schöpfung breiten sich aus.

Ich werde ruhig.
Ich bin glücklich.


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